Erasmus+Irland 2020

Abbruch der Mobilität

Erasmus+Irland 2020 mit viel praktischer Lebenserfahrung

Der Koffer ist gepackt, die Spannung steigt, 12 Schülerinnen und Schüler warten auf den Bus nach Frankfurt Hahn.

Im Bus wächst die Aufregung: Wie sind wir untergebracht, wie verstehen wir die Leute, wie lange dauert es noch?

Kerry erwartet uns mit bestem irischen Wetter: Regen und Wind. Auch hier steht der Bus bereit und die Schülerinnen und Schüler stehen am Anfang ihrer Erlebnisse in Tralee, Irland.

Ziele der Erasmus + Mobilität sind Kultur, Land und Leute in Irland kennenzulernen.

In den drei Wochen steht auf dem Plan:

Zuerst 4 Tage Sprachkurs, dann ein 2-wöchiges Praktikum, die Schülerinnen und Schüler sollen ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten erproben. Dazu gibt es einen speziellen Ablauf, das CSSC – Collecting Sozial Skills in social Care Institutions. Außerdem sind 2 Ausflüge ins Umland geplant.

Möglich wird das alles erst durch die Fördergelder der Europäischen Union. Das Erasmus+ Programm ist für unsere Schülerinnen und Schüler aus den Berufsfachschulen für Kinderpflege, Sozialpflege und Ernährung und Versorgung oft die einzige Möglichkeit, mit wenigen Eigenmitteln in ein anderes Land zu kommen und dort intensiv in das Alltagsleben einzutauchen.

Soweit der Plan, der in den Jahren davor immer prima umgesetzt werden konnte.

Dieses Jahr sollten die Schülerinnen von 9. bis 30.3.2020 das irische Leben kennen- und vielleicht auch schätzen lernen. Doch daraus wurde leider nichts, denn ein Virus namens „Corona“ kam uns in die Quere.

Wind und Wetter machten den Schülerinnen und Schülern wenig aus. Was alle, auch uns Lehrer, dann schockte, war die erste (Sie merken, es kommt noch mehr) schlechte Nachricht: „Keine Praktikumsplätze in Social Care Institutions!“ Ein Schreck, der bei allen tief ging. Das war doch das große Ziel der Reise! Einige Schülerinnen waren sehr aufgeregt, andere nahmen es gelassener, andere konnten sich sehr flexibel auf die neuen Herausforderungen einstellen: Statt in Kindergärten, Seniorenheimen oder Küchen von Seniorenheimen sollten die Praktika in verschiedenen Geschäften und Pubs stattfinden.

Von der Reaktion „ich will sofort heim“ bis „schauen wir mal, was es da so gibt“ war alles vertreten. So führten Frau Brehm und ich viele Gespräche – auch bei klassischem 5 o`clock tea und leckeren Scones und Kuchen in schicker Hotelumgebung. Die Schüler waren nach und nach bereit, sich auf ganz neue ungewohnte Situationen einzustellen. Und das alles in einem fremden Land in einer ungewohnten Sprache!

Die zweite Mitteilung war schon nicht mehr so tragisch: Es gab nicht genug Praktikumsplätze, da einige der Kaufhäuser absagten. Auch dort wurden wegen Corona keine Praktikanten mehr aufgenommen. Neue Lösungen wurden gesucht, Gespräche mit der Partnerschule geführt, wir Lehrer akquirierten auch eine Praxisstelle in der Hotelküche unserer Unterkunft.

Wir konnten wieder einmal die auffallende Freundlichkeit der Iren kennenlernen: Im Hotel unterstützten uns die Managerin und der Besitzer bis in die Nacht. – Wieso das nötig wurde, führt zur wirklichen „Horrormeldung“: Ab Freitag, 13. März werden in Irland alle Schulen geschlossen, also auch die Sprachschule, die die Schülerinnen und Schüler besuchten.

Die Frage, ob wir Samstag in Galway überhaupt noch in Pubs, Geschäfte und Museen gehen könnten, stand ebenso im Raum wie die Frage einen Rückflug so zügig wie möglich zu organisieren.

Bei der kurzfristigen Organisation am Donnerstagnachmittag unserer vorzeitigen Abreise am Freitag, wurden wir dann von der Hotelmanagerin sehr unterstützt. Auch an dieser Stelle nochmals ein „Danke“ nach Tralee ins Holiday Lodge Hotel!

Die Nachricht über die rasche Abreise sorgte bei den Schülerinnen und Schüler für Erleichterung bis zur Enttäuschung. – Ganz schlecht war die Nachricht nicht, im Nachhinein betrachtet sogar die beste Lösung. Denn am Abreisetag erfuhren wir alle, dass auch in Deutschland die Schulen schließen.

Große Aufregung, Freude und auch die nachdenkliche Frage, wie es dann weitergeht in Deutschland, viele Gefühle auf einmal in kürzester Zeit. Auch die Ängste, ob wir überhaupt noch nach Deutschland einreisen dürfen, mussten beseitigt werden.

Viele „Erfahrungen fürs Leben“ wurden gemacht und einige Schülerinnen und Schüler merkten an, dass sie in den 3 Tagen Englischkurs mehr Englisch gelernt und gesprochen hatten als in manchen Schuljahren.

Trotz Freitag dem 13. kamen wir wohlbehalten in Aschaffenburg an. Niemand musste in Quarantäne. Es gab nur einen Abschied auf längere Zeit.

An dieser Stelle:

Gerne wären wir mit euch in Irland geblieben, für die vollen 3 Wochen! Ihr wart eine wirklich gute Gruppe und seid mit den vielen Herausforderungen fast alle super gut umgegangen. Danke für das prima Teamwork!

Ein großes „Danke“ auch an meine Kollegin Marion Brehm, die das mit mir vor Ort mitorganisiert hat, genauso auch an Herrn Gerhard Burggraf, der uns mit Rat und Tat von Deutschland aus unterstützte.

Gudrun Peeters